Internet und Demokratie
Die Erwartungen, die an das Internet in Bezug auf die Durchsetzung vermehrter demokratischer Strukturen gestellt werden, erinnern oft an die euphorischen Hoffnungen, die Bertold Brecht in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Radio äußerte. Aber genauso wenig, wie Bert Brechts Erwartungen an ein demokratisches Radioprogramm erfüllt wurden, gaben die Entwicklungen des Internets in den vergangenen 13 Jahren den hochtrabenden Hoffnungen Recht - noch dem tiefen Misstrauen, denn diese beiden Standpunkte beherrschten die Diskussion.
Es heißt, im Internet kann jeder jedem jederzeit seine Meinung sagen. Oft erscheint es in den Beschreibungen wie eine Landschaft, die nur noch ein wenig Wasser benötigt, damit die dankbaren Pflanzen der Demokratie sprießen und wachsen. „Die Merkmale von Öffentlichkeit, die aus den Vorbildern des antiken Marktplatzes und den Debattierzirkeln der Aufklärung gewonnen wurden, lassen sich im Internet technisch umgesetzt wieder finden, zum Teil sogar noch um einige zusätzliche Feinheiten bereichert.“, formuliert Roesler. Er nennt die simplen Möglichkeiten, die uns E-Mail, Homepages, Newsgroups usw. bieten und sieht auch Negt/Kluges Kritik an Habermas teilweise verwirklicht. Aber stimmt das tatsächlich? Nicht jeder ist mit diesen Hilfsmitteln soweit vertraut, dass er sie ohne Schwierigkeiten für seine Interessen nutzen kann – geschweige denn kann wirklich jeder ohne größere Umstände ins Internet gehen oder erfüllt auch nur eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen, die für die erfolgreiche Kommunikation im Internet maßgeblich sind: Nicht jeder spricht Englisch.
Was also ist nötig, um demokratischen Ansätzen gerecht zu werden? Und können demokratische Gepflogenheiten und Prozesse, die schon entwickelt sind, einfach ins Internet übertragen werden?
Das ist ein Teil meiner Fragestellung. Mal sehen, wie viel Howard Dean, der Nie-im-Leben-wird-ers-Präsidentschaftskandidat, dazu beitragen kann...
09/18/03 @ 11:35 AM CST [link]